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	<title>Incel-Bewegung &#8211; Bad Nenndorf ist Bunt</title>
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	<description>Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.</description>
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		<title>Komponenten von „Lone Wolf“-Rechtsterrorismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Feb 2020 10:28:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Presse 2020]]></category>
		<category><![CDATA[AFD]]></category>
		<category><![CDATA[Gauland]]></category>
		<category><![CDATA[Incel-Bewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Tobias Rathjen]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Armin Pfahl-Traughber 24.02.2020 &#8211; Der Attentäter von Hanau: Psychische Bedingungsfaktoren schließen politische Bedingungsfaktoren nicht aus. Für führende AfD-Politiker gab es in Hanau keine terroristische Tat. Es habe sich um den Ausdruck eines unpolitischen Wahns gehandelt, lautet die Deutung vieler hochrangiger Funktionsträger in Stellungnahmen. So meinte beispielsweise der AfD-Bundeschef &#160;Jörg]]></description>
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<p>Von Armin Pfahl-Traughber  24.02.2020 &#8211; </p>



<p style="font-size:18px"><strong>Der Attentäter von Hanau: Psychische Bedingungsfaktoren schließen politische Bedingungsfaktoren nicht aus.</strong></p>



<p>Für führende AfD-Politiker gab es in Hanau keine terroristische Tat. 
Es habe sich um den Ausdruck eines unpolitischen Wahns gehandelt, lautet
 die Deutung vieler hochrangiger Funktionsträger in Stellungnahmen. So 
meinte beispielsweise der AfD-Bundeschef &nbsp;Jörg Meuthen: „Das ist weder 
rechter noch linker Terror, das ist die wahnhafte Tat eines Irren.“ Und 
der Co-Bundestagsfraktionsvorsitzende Alexander Gauland erklärte: „Bei 
einem völlig geistig Verwirrten sehe ich kein politisches Ziel, insofern
 bin ich vorsichtig bei dem Begriff Terror. Und von links und rechts 
wollen wir hier gar nicht reden. Das ist ein Verbrechen.“ Gleichzeitig 
distanzierte man sich von einer AfD-kritischen Einschätzung, wonach man 
keine Mitschuld an den Morden trage. Doch wie steht es um die beiden 
genannten Aussagen? War der Mord an neun Menschen mit 
Migrationshintergrund nur die Tat eines Verrückten? Und kann die AfD von
 daher jede Verantwortung von sich weisen?</p>



<p>Eine Antwort auf diese Fragen setzt die Beschreibung der Tat und 
einen Blick auf den Täter voraus. Am Mittwoch, den 19. Februar 2020 
erschoss ein Mann gegen 22.00 Uhr in und vor der Shisha-Bar „Midnight“ 
und der Café-Bar „La Votre“ in Hanau vier Menschen. Danach fuhr er 
weiter zu einer Café-Bar „Arena“ in der gleichen Stadt und ermordete 
dort weitere fünf Menschen. Wie sich später herausstellte, waren die 
Opfer dem Täter nicht bekannt. Sie wurden offenkundig nur aufgrund ihres
 Migrationshintergrundes ausgewählt. Danach fuhr der Mann weiter in 
seine Privatwohnung, wo er mit seiner 72-jährigen Mutter lebte. Er 
erschoss diese ebenfalls und dann sich selbst. Der ebenfalls anwesende 
Vater blieb unverletzt. Demnach kamen durch die Ereignisse elf Menschen 
ums Leben, den Täter eingeschlossen. Darüber hinaus wurden sechs 
Personen verletzt, eine davon schwer. Eine besondere Erklärung 
hinterließ der Mann nicht, auch fanden sich weder in seinem Fahrzeug 
noch an den Tatorten irgendwelche Symbole. Die Opfer waren zwischen 21 
und 44 Jahre alt und hatten unter anderem bosnische, bulgarische, 
rumänische und türkische Migrationshintergründe. Bei dem Attentäter 
handelte es sich um den 43-jährigen Tobias Rathjen. Mittlerweile liegen 
einige Angaben zu seinen Besonderheiten und seinem Lebensweg vor: Er 
hatte 1996 sein Abitur gemacht und galt bei seinen Mitschülern als 
zurückhaltend. Beachtlich ist vielleicht, dass Rathjen keinen Wehr-, 
sondern Zivildienst leistete. Danach begann er eine Banklehre und 
studierte anschließend Betriebswirtschaftslehre. Ansonsten scheint er 
ein unauffälliges Privatleben geführt zu haben. Bedeutsam ist, dass er 
keine Frau oder Freundin hatte, was aus bestimmten Gründen noch 
interessant sein wird. Darüber hinaus verdient Beachtung, dass Rathjen 
&nbsp;noch als über 40-Jähriger bei seinen Eltern lebte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kombination von fremdenfeindlichen und verschwörungsideologischen Inhalten</h2>



<p>Als Mitglied eines Schützenvereins war ihm der Umgang mit Waffen 
vertraut. Einer politischen Organisation gehörte er indessen nicht an, 
was generell gilt, also sowohl bezogen auf einen rechtsextremistischen 
wie nicht-rechtsextremistischen Personenzusammenschluss. Auch handelte 
Rathjen allein, sowohl bei der Tat selbst wie bei deren Vorbereitung. 
Über Anstifter oder Helfer ist nichts bekannt. Rathjen. hinterließ 
indessen auf seiner Internet-Homepage unterschiedliche Texte und nahm 
auch ein gesondertes Video auf. Dadurch ergeben sich Einblicke in sein 
Weltbild, wobei autobiographische, fremdenfeindliche und 
verschwörungsideologische Inhalte in einer inneren Kombination 
auszumachen sind. Demnach ging Rathjen davon aus, dass er bereits seit 
seiner Kindheit regelmäßig von einem Geheimdienst überwacht wurde. Deren
 Angehörige seien in der Lage, „die Gedanken eines anderen Menschen 
lesen zu können und darüber hinaus fähig &#8230;, sich in diese 
‚einzuklinken‘ und bis zu einem gewissen Grad eine Art‚Fernsteuerung‘ 
vorzunehmen.“ Darüber hinaus sprach er von der Möglichkeit von 
„Zeitreisen“, sich auch formal nicht stimmige Zusammenhänge postuliert 
wurden: „Zudem müssen wir eine ‚Zeitschleife‘ fliegen und den Planeten, 
den wir unsere Heimat nennen, zerstören, bevor vor vielen Milliarden 
Jahren das erste Leben entstand.“ Außerdem ging es noch um Außenpolitik,
 Fußball, Hollywoodfilme und Lehrveranstaltungen.</p>



<p>Neben derartigen Auffassungen fanden sich bei Rathjen aber auch viele
 fremdenfeindliche bis rassistische Statements: So listete er über 20 
Länder auf, die von Afghanistan über Israel bis zur Türkei reichen, 
deren „Völker komplett vernichtet werden müssen.“ Er habe schon in 
jungen Jahren erkannt, dass das „schlechte Verhalten bestimmter 
Volksgruppen“ ein Problem sei. Denn: „Diese Menschen sind äußerlich 
instinktiv abzulehnen und haben sich zudem in ihrer Historie nicht als 
leistungsfähig erwiesen.“ Demgegenüber wurde von ihm als Gegenbild ein 
Nationalismus gestellt: „Umgekehrt lernte ich mein eigenes Volk kennen, 
als ein Land, aus dem das Beste und Schönste entsteht und herauswächst, 
was diese Welt zu bieten hat.“ Denn seine Landsleute hätten „die 
Menschheit als Ganzes hervorgehoben“. Forderungen zur Grenzsicherung 
seien auch richtig, wie etwa die angestrebte Mauer zu Mexiko. Seine 
eigenen Ideen, meinte Rathjen, würden von Trump bereits umgesetzt, 
allerdings nicht von diesem bewusst ,sondern „über die so genannte 
Fernsteuerung“. Er hielt sich demnach selbst für ein Genie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hinweise auf die „Incel“-Bewegung</h2>



<p>Blickt man auf solche und die vorgenannten Aussagen, so wird 
deutlich: Rathjen war offenkundig psychisch krank. Es lassen sich 
Bestandteile von einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie 
erkennen, kombiniert mit einer narzisstischen Überhöhung der eigenen 
Person und wilden Verschwörungsvorstellungen über die Welt. Mit diesen 
erklärte sich Rathjen auch, dass er nie eine Frau oder Freundin hatte, 
was im Ergebnis auf eine geheimdienstliche Überwachung zurückgeführt 
wurde. In diesem Detail lassen sich Hinweise auf die „Incel“-Bewegung 
erkennen. Dabei handelt es sich um allein stehende Männer, die 
unfreiwillig im Zölibat leben. Derartige Besonderheiten und 
Einstellungen gab es bei nicht wenigen der „ Lone-Actor“ im 
Rechtsterrorismus. Insofern kommt diesem scheinbar eher nur privaten 
Gesichtspunkt auch hier eine inhaltliche Relevanz bei der 
Ursachenanalyse zu.</p>



<p>Bedeuten aber nun die Hinweise darauf, dass der Attentäter erkennbar 
psychisch stark gestört war, dass es sich hier auch um eine psychisch 
motivierte und damit unpolitische Tat handelte? Eine derartige Deutung, 
die nicht nur von den einleitend erwähnten AfD-Politikern immer mal 
wieder vorgetragen wird, ignoriert, dass zwischen politischen und 
psychischen Bedingungsfaktoren kein Widerspruch bestehen muss. Blickt 
man auf die Entwicklung des „Lone Actor“- oder „Lone 
Wolf“-Rechtsterrorismus, so lässt sich immer wieder die Kombination 
beider Ursachen im Wechselverhältnis miteinander feststellen. Auch bei 
Anders Breivik, dem wohl international bekanntesten Fall in diesem 
Sinne, konnten beide Komponenten ausgemacht werden. Die Betonung des 
psychischen Gesichtspunktes wird häufig von den juristischen 
Verteidigern vorgenommen, um damit eine geringere Freiheitsstrafe für 
ihre Klienten zu erwirken. Es ist darüber hinaus schwierig, die 
politischen und psychischen Bedingungsfaktoren bei solchen Taten 
quantitativ einzuschätzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Konkrete Opferauswahl aus ideologischen Prägungen</h2>



<p>Vor einerderartigen Notwendigkeit steht man in der  sozialwissenschaftlichen Terrorismusforschung indessen nicht. Danach  bietet sich folgende Differenzierung an: Es gilt bei solchen  Ereignissen, die Gewalttat für sich und die Opferauswahl für sich  hinsichtlich ihrer Ursachen zu analysieren. Genau dies ist mit den  beiden unterschiedlichen Ebenen gemeint. Die besonders brutale  Gewaltanwendung ist wohl meist tatsächlich primärpsychologisch  erklärbar, handelt es sich doch hier um hohe Intensitätsgrade eben bis  hin zu einem Massenmord. Doch wie erklärt sich dann die jeweilige  Auswahl der Opfer, steht diese doch für eine inhaltliche Motivation und  politische Prägung. Letzteres lässt sich auch bei Rathjen ausmachen, der  eben aufgrund seiner fremdenfeindlichen bis rassistischen  Grundpositionen die Orte seiner mörderischen Tat aufsuchte. Die  Erklärungen auf der eigenen Homepage belegen diese ideologischen  Prägungen, mögen sie in sich noch so lückenhaft oder widersprüchlich  sein. Aus diesen Deutungsmustern heraus erfolgte die konkrete  Opferauswahl. Bislang ist noch nicht bekannt, was Rathjen besonders  beeinflusste. Aufgrund seiner sozialen Isolation dürften es eher  Internetseiten und keine Organisationen gewesen sein.</p>



<p>Quelle: <a rel="noreferrer noopener" aria-label="bnr.de (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.bnr.de" target="_blank">bnr.de</a>     Autor:  Armin Pfahl-Traughber am  24.02.2020 </p>
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