Landesgartenschau bedeutet mehr als Blümchen und Grünzeug:
Blumen und Pflanzen als politische Symbole
Wir dürfen uns an der Schönheit von Blumen und Pflanzen erfreuen, doch wenig bekannt sind die politischen Bedeutungen vieler Blumen und Blätter. Damit diese nicht im Verborgenen bleiben, hat “Bad Nenndorf ist Bunt – Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.“ eine Übersicht zur politischen Symbolik von Blumen und Pflanzen zusammengestellt.
Wer noch mehr über die Symbolik von Blumen, Blättern und Früchten erfahren möchte, sollte unbedingt in diesem interessanten Buch von Bernd Mader weiterlesen:
Weiße Rose
Die weiße Rose begegnet uns als Symbol für Unschuld und Reinheit sowohl auf Hochzeitsfeiern als auch auf Beerdigungen. In ihrer politischen Bedeutung verbinden wir sie mit der gleichnamigen Widerstandsgruppe aus der Zeit des Nationalsozialismus:
Ein Freundeskreis um die Münchner Studenten Hans Scholl und Alexander Schmorell protestierte ab Sommer 1942 durch das Verteilen von Flugblättern gegen die NS-Diktatur und für die Beendigung des Krieges.

Im Februar 1943 werden die Geschwister Sophie und Hans Scholl sowie weitere Mitstreiter verhaftet und wenig später zum Tode verurteilt.
Alle wichtigen Informationen zum Widerstand der Weißen Rose finden sich hier:
Widerstandsgruppe Weiße Rose – Weiße Rose Stiftung e.V.
Sehenswert ist der deutsche Film „Sophie Scholl – die letzten Tage“ aus dem Jahr 2005
SOPHIE SCHOLL – DIE LETZTEN TAGE | Offizieller Trailer
Die deutsche Punkband Maniacs nannte ihr 1986 erschienenes Album „The White Rose Of Resistance“ und würdigte die Widerstandsgruppe mit einem Song: The White Rose

Rote Nelke
Einzelne rote Nelken sind, entweder als Anstecker oder als echte Blume im Knopfloch, bis heute am 01. Mai, dem Tag der Arbeit zu sehen. Die Geschichte der roten Nelke als Symbol der Arbeiterbewegung lässt sich bis zum 01. Mai 1890 zurückverfolgen, als an verschiedenen Orten zum ersten Mal organisierte Maiaufmärsche der Arbeiter*innen stattfanden. Gefordert wurden bessere Arbeitsbedingungen wie beispielsweise der Achtstundentag. Da das Mitführen von Fahnen verboten war, entschied man sich für eine rote Nelke am Revers als Zeichen der Arbeiterbewegung. Diese Tradition hat bis heute Bestand.

Auch mit dem Weltfrauentag am 08. März ist die rote Nelke eng verbunden. Im Jahre 1911 wurde sie zum Symbol der Frauenbewegung bei Demonstrationen für ein Frauenwahlrecht. Die rote Nelke ist also auch ein Zeichen für Gleichberechtigung. In der ehemaligen DDR gab es den Brauch, dass Männer den Frauen zum 08. März rote Nelken schenkten.
Interessanterweise war die rote Nelke als Symbol zuvor schon von Adeligen genutzt worden, als während der französischen Revolution ab 1789 zum Tode verurteilte Aristokraten eine rote Nelke zum Zeichen der Unerschrockenheit und des Protests trugen. Die Nelke steht hier für Treue bis in den Tod, begründet damit, dass Nelken auch welkend ihre Farbe behalten.
Am 25.04.1974 gab es in Portugal einen Aufstand demokratietreuer Armeeteile gegen die jahrzehntelange Diktatur unter Salazar und seinem Nachfolger Caetano. Dieser Umsturz wurde unter der Bezeichnung Nelkenrevolution bekannt. Aufständische Soldaten trugen damals eine rote Nelke an der Uniform oder steckten die Blume in den Gewehrlauf.

Eine besondere Rolle spielten bei dieser weitgehend unblutigen Revolution zwei Lieder.
Als zuvor verabredetes Startsignal für die Aufständischen wurde im Rundfunk der portugiesische Beitrag zum Eurovision Song Contest 1974 gespielt:
1974 – Paulo de Carvalho – „E Depois Do Adeus2 | RTP
Der eigentliche Song der Nelkenrevolution war dieses damals verbotene Lied „Grandola, Vila Morena“ des antifaschistischen Komponisten José Afonso:
Grandola Vila Morena w/ English Subtitles: The Famous 25 of April 1974 Song
Wer mehr über die portugiesische Nelkenrevolution erfahren möchte, findet eine ausführliche Dokumentation in der ARD Mediathek:
Dokus & Reportagen : Nelken für die Revolution – hier anschauen
Tulpen

Tulpen gehören für uns zu den bekanntesten Blumen überhaupt, sei es durch den Tulpenstrauß, der im Supermarkt oder auch an der Tankstelle angeboten wird, oder durch das beliebte Ausflugsziel Keukenhof (Niederlande) mit seinen beeindruckenden Tulpenfeldern.
So sind Tulpen für die meisten mit den Niederlanden verbunden, wozu auch das bekannte Lied „Tulpen aus Amsterdam“ seinen Teil beigetragen hat. Hier eine Version von Mieke Telkamp:
Tulpen aus Amsterdam
Weniger bekannt ist, dass die Tulpe die Nationalblume der Türkei ist. Hier oder in Kasachstan ist auch die Herkunft der Blume zu verorten.

Schon im Osmanischen Reich des 16. Jahrhunderts hatte die Tulpe eine große Bedeutung für Gärten, Wappen und andere Dekorationen.
Aber die schöne Blume hat auch eine revolutionäre Seite: Eine sogenannte Tulpenrevolution fand im März 2005 in Kirgisistan statt. Hier war die Gebirgstulpe das Symbol der Opposition gegen den diktatorisch regierenden Präsidenten Askar Akajew.
Im Iran und anderen muslimischen Ländern wird die Legende erzählt, dass aus dem Blut eines gefallenen Kriegers eine Tulpe wächst. So nutzt das iranische Mullah-Regime seit 1980 ein Hoheitssymbol, welches in seiner Anordnung von vier Mondsicheln und einem Schwert auf die Blüten einer Tulpe anspielt. Dieses findet sich auch in der Mitte der iranischen Nationalflagge.
Das Nesselblatt
Sinnbild für den Landkreis Schaumburg
Nicht nur Blumen und Blüten haben eine politische Dimension – auch andere eher unscheinbare Pflanzenteile können durchaus politisch aufgeladen sein. Ein besonderes Beispiel dafür ist das Nesselblatt.
Die Ursprünge unseres heimischen Kreiswappens liegen im Dunkeln. Denkbar wäre natürlich, dass die frühen Schaumburger Grafen damit eine gewisse Wehrhaftigkeit ausdrücken wollten. Die üblichen Löwen- oder Adlerdarstellungen hätte ihnen bei der geringen Größe des Territoriums wohl niemand abgenommen…
Wahrscheinlicher aber ist, dass die Basis dafür ein Schmuckrand um den Schild war, der im Laufe der Zeit zu einem Wappenbild aufgewertet wurde.
Sei es wie es sei – das Nesselblatt stand und steht in vielen Variationen im Landkreis und darüber hinaus für die Schaumburger Identität. Sei es in der aktuellen Reinform als Kreiswappen, gespickt mit den drei Nägeln vom Kreuz Christi für die ehemalige hessische Grafschaft, belegt mit der lippischen Rose für das bis 1918 souveräne Fürstentum Schaumburg-Lippe oder mit der Darstellung eines Äskulapstabes als Hinweis auf das Staatsbad Nenndorf. Man findet es darüber hinaus auch in Kombination mit den Schleswiger Löwen im Wappen unseres nördlichen Nachbarbundeslandes als Zeichen für die frühere Lehnsherrschaft in Holstein.




Nahezu jede Stadt und Gemeinde im Landkreis Schaumburg (und auch in den Teilgebieten, die bei der Kreisreform 1974 abgetrennt wurden – z.B. Steinhude oder Hess. Oldendorf) trägt das Nesselblatt im eigenen Wappen. Und tatsächlich hat sich unser „Wappengemüse“ auch in Holstein in vielen Orten als Sinnbild der Verbundenheit zu den Schaumburger Grafen erhalten. Ob den Einwohnern in Kiel oder Plön klar ist, wo ihr Stadtwappen ihren Ursprung hat?




Mohnblume
In Anlehnung an das Gedicht „In Flanders Fields“ von Lt. Col. John McCrae erinnert die Mohnblume als „remembrance poppy“ an das Blut der Soldaten Amerikas und des britischen Empire im Ersten Weltkrieg.

John McCrae war kanadischer Sanitätsoffizier und verlor bei der zweiten Flandernschlacht am 02. Mai 1915 seinen besten Freund Lt. Alexis Helmer. John McCrae hielt bei der Beerdigung am selben Tag die Trauerzeremonie. Am Tag danach sah er neben dem Grab frisch blühenden Klatschmohn und hielt die Szene und seine Gedanken dazu in Gedichtform in einem Notizbuch fest. Allerdings hatte er keine Veröffentlichung im Sinn und warf das Gedicht kurz danach weg. Eher zufällig fand es ein Kamerad, der der es an verschiedene Zeitungsverlage in Großbritannien sendete. Abgedruckt wurde es erstmalig im Punch am 08. Dezember 1915.
Als 1920 der 11. November (Tag des Waffenstillstands von Compiégne) im britischen Empire als Remembrance Day eingeführt wurde, übernahm man den amerikanischen Brauch, Soldatenfriedhöfe und Ehrenmale mit Mohnblumen zu schmücken. Zusätzlich tragen viele Briten und Amerikaner an diesem Tag künstliche Mohnblumen an der Kleidung.
John McCrae starb am 28. Januar 1918 an den Folgen einer Lungenentzündung in einem Militärhospital in Nordfrankreich.
In Flanders Fields (Originalfassung)
In Flanders fields the poppies grow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.
We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.
Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields.
Kleeblatt
So wie die Harfe, das Guinness und der Whiskey steht das Kleeblatt in der ganzen Welt stellvertretend für Irland. Das dreiblättrige „Shamrock“ wohlgemerkt, nicht der hiesige „Glücksklee“ mit vier Blättern.

Der Sage nach soll der heilige Patrick dem keltischen Hochkönig Laoghaire anhand des Kleeblatts die Dreieinigkeit Gottes erläutert haben. Der König war beeindruckt und gestattete Patrick, die Insel für das Christentum zu missionieren – mit erstaunlichem Erfolg, wie man heute noch am Einfluß der katholischen Kirche auf das Leben in Irland erkennen kann.
St. Patrick wurde vermutlich um das Jahr 400 als Sohn eines römischen Offiziers in Britannien (Indizien deuten auf Wales) geboren. Sein Vater war als Diakon in der örtlichen Kirchengemeinde tätig und Patrick wuchs im katholischen Glauben auf. Laut eigenem Zeugnis sei er im Alter von 16 Jahren nach Irland verschleppt worden. Trotz seines schweren Lebens in Knechtschaft lernte er Land und Leute lieben und nach etlichen Jahren auf Wanderschaft in Europa kehrte er 432 im Auftrag von Papst Coelestin auf die Insel zurück. Dort bekehrte er nach eigenen Angaben tausende Iren zum Christentum.
Sein (vermuteter) Todestag am 17. März 461 ist noch heute Nationalfeiertag in Irland und hat durch die irischen Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert inzwischen weltweite Bedeutung erlangt. Und auch das Kleeblatt (allerdings in der vierblättrigen Variante) ist über die irische See nach Schottland übergesprungen und findet sich im Wappen des 1887 gegründeten Fußballvereins Celtic Glasgow wieder, der 1888 sein erstes offizielles Spiel bestritt. Damit erinnert der Club an seinen irischen Gründer den katholischen Maristenbruder Walfrid, der dabei vornehmlich eine Spendensammlung für die Armutsbekämpfung im Glasgower East End im Sinn hatte. Dass Celtic (neben den protestantischen Glasgow Rangers) einmal einer der erfolgreichsten schottischen Fußballvereine werden würde, hat er sicherlich nicht geahnt.

Edelweiß
Bis Mitte des 19 Jahrhunderts war das Edelweiß eine eher unbeachtete Gebirgsblume u.a. in den Alpen, den Karparten, im Apennin und den Pyrenäen.
Der Legende nach pflückte Kaiser Franz Joseph bei einer Bergwanderung am Großglockner im Jahre 1856 für seine Gattin Kaiserin Elisabeth ein Edelweiß mit den Worten „Das erste in meinem Leben, das ich selbst gepflückt“.
Nach dieser romantischen Geschichte schenkte die österreichische Gesellschaft dem Edelweiß mehr Aufmerksamkeit. 1865 malte Franz Xaver Winterhalter Kaiserin Elisabeth mit neun ins Haar geflochtenen Edelweiß-Sternen. Dieses Bild verstärkte den romantischen Mythos und als Ende des 19. Jahrhunderts der Bergtourismus aufkam, wurde das Edelweiß schnell zum Markenzeichen der Alpinisten. Der Run auf die seltene Blume ging so weit, dass sie schon 1886 unter Naturschutz gestellt werden musste.
In der Folge nutzte die Österreichisch-Ungarische Armee das Edelweiß als Zeichen für ihre Gebirgstruppe. Während des ersten Weltkrieges stellte auch das Deutsche Reich ein Alpenkorps auf, das dem österreichischen Verbündeten im Gebirgskrieg gegen Italien zu Hilfe kam. Als im Oktober 1915 österreichische Reserven die deutschen Stellungen übernahmen und diese zu anderen Kriegsschauplätzen verlegt wurden, überreichte das Landesverteidigungskommando Tirol dem deutschen Alpenkorps 20.000 Edelweißabzeichen als Symbol der Dankbarkeit und Verbundenheit. Seitdem ziert diese Blume auch die deutschen Gebirgstruppen und noch die Gebirgsjäger der Bundeswehr sind daran zu erkennen.
Während der Zeit des Nationalsozialismus bekam das Edelweiß noch eine weitere Bedeutung. Trotz größter Anstrengungen der NSDAP, die gesamte deutsche Jugend in der HJ bzw. dem BDM zu organisieren, gelang es immer wieder kleinen Gruppen von Jugendlichen, sich dem Druck zeitweise zu entziehen. Für diese oppositionellen Jugendverbände bürgerte sich der Begriff der „Edelweißpiraten“ ein. Hintergrund für den von der Gestapo eingeführten Namen waren die Wurzeln einiger Gruppen in der Bündischen Jugend (z.B. Wandervogel, Pfadfinder, Naturfreunde) – das Edelweiß war eines ihrer Abzeichen.
Nachdem 1936 alle Gruppen der Bündischen Jugend verboten wurden, gab es bis 1938 noch Integrationsbestrebungen in die HJ, deren Freizeitangebote durchaus attraktiv wirkten und die noch als „jugendlich rebellisch“ angesehen wurde. Danach wurden die Jugendlichen, die sich weiterhin der Zwangsmitgliedschaft entzogen, kriminalisiert und in die Illegalität getrieben. Viele Gruppen beteiligten sich aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime. Sei es durch Flugblattaktionen, Verbreitung von Informationen von feindlichen Radiosendern oder durch das Verstecken und Versorgen von geflüchteten Kriegsgefangenen und Juden.
Ab 1941 wurden radikale Verfolgungsmaßnahmen angewandt. Den Jugendlichen wurden Wehrkraftzersetzung, Defätismus und die Schwächung der Volksgemeinschaft vorgeworfen. Die strafrechtlichen Folgen reichten von Haft in Konzentrationslägern bis zur Todesstrafe oder zumindest der Versetzung zu Strafbataillonen. Dort erwarteten die Jugendlichen „Himmelfahrtskommandos“ wie das Räumen von Minensperren per Hand.
Da die Edelweißpiraten ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter ohne zentrale Organisation war, ist die Anzahl der ermordeten Jugendlichen unbekannt. Es ist aber anzunehmen, dass nur eine Minderheit den Krieg überlebt hat.
Seit einiger Zeit ist das Edelweiß in politischer Hinsicht wieder aktiv – Im Dezember 2025 wurde das „edelweissnetzwerk“ auf Instagram gegründet. Die Aktivisten versuchen nach eigenen Angaben „die Medienmacht der Neuen Rechten“ zu brechen und wenden sich speziell gegen „NIUS“ und Hatefluencer. Dabei sehen sie sich vermutlich durchaus in der Tradition der Edelweißpiraten.
Korbiniansapfel
Korbinian Aigner – genannt „der Apfelpfarrer“ wurde am 11. Mai 1885 auf dem Poldingerhof in Hohenpolding, Oberbayern, geboren. Als ältester Sohn hätte er der Hoferbe werden sollen, verzichtete aber auf das Erbe, um das Priesteramt anzutreten.
Aigner interessierte sich früh für den Obstbau und gründete 1908 zusammen mit Franz Hausladen den „Hohenpoldinger Obstbauverein“. Aigner wurde zum Vorsitzenden gewählt.
1923 besuchte Korbinian Aigner eine Veranstaltung der NSDAP und erlebte dort Adolf Hitler als Redner. Seitdem bekämpfte Aigner der Nationalsozialismus insbesondere in seinen Predigten. Das brachte ihm sowohl Geldstrafen als auch eine Strafversetzung nach Hohenbercha ein.
Das Attentat von Georg Elser auf Hitler im Bürgerbräukeller am 08. November 1939 veranlasste ihn, am folgenden Tag im Religionsunterricht das Fünfte Gebot (Du sollst nicht töten!) zu thematisieren. Dabei fiel der Satz:“ Ich weiß nicht, ob das Sünde ist, was der Attentäter im Sinn hatte. Dann wäre halt vielleicht eine Million Menschen gerettet worden.“
Eine linientreue Kollegin meldete Aigner beim Ortsgruppenleiter und am 22. November wurde der Priester verhaftet. Am 07. Mai 1940 wurde er zu sieben Monaten Haft im Gefängnis Stadelheim verurteilt. Nach seiner Entlassung am 23. Juni 1940 (die U-Haft wurde angerechnet) wurde er ins Konzentrationslager Dachau überstellt. Im September 1940 wurde er nach Sachsenhausen verlegt, wo er fast an einer Lungenentzündung gestorben wäre. Überliefert ist das Bonmot „Den Gefallen tu ich euch net, da heroben in Preußen zu sterben.“
Ab dem 03. Oktober 1941 wurde er im Priesterblock in Dachau inhaftiert und mußte dort Zwangsarbeit in der Landwirtschaft leisten. Während dieser Zeit gelang ihm die Züchtung von vier neuen Apfelsorten (KZ-1 – KZ-4). Davon ist nur noch KZ-3 bis heute als „Korbiniansapfel“ erhalten.

Im April 1945 mußte Aigner mit 10.000 anderen Häftlingen einen Marsch nach Südtirol antreten. Am 28. April konnte er am Starnberger See fliehen und versteckte sich in einem Kloster.
Nach Kriegsende kehrte Korbinian Aigner als Priester in seine alte Gemeinde zurück und widmete sich auch wieder der Pomologie. Im Oktober 1945 wurde er zum Landesvorsitzenden des Bayerischen Landesverbandes für Obst- und Gartenbau gewählt. Dieses Amt bekleidete er für fünf Jahre.
Der „Apfelpfarrer“ starb am 05. Oktober 1966 an einer Lungenentzündung im Freisinger Krankenhaus. Zur Beerdigung auf dem Friedhof Hohenbercha wurde der Sarg auf Aigners Wunsch hin von seinem alten KZ-Mantel bedeckt. Zu seinem 100. Geburtstag wurde sein KZ-3 offiziell „Korbiniansapfel“ getauft.
In Bad Nenndorf steht seit August 2013 ein Korbiniansapfel als Geschenk des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt e.V.“ in direkter Nachbarschaft zum Mahnmal für die Bad Nenndorfer Juden.