Aktuelles


Wichtiger Hinweis zu unseren Masken !

Da uns Covid-19 noch eine ganze Weile begleiten wird und somit auch das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken weiterhin erforderlich und empfehlenswert ist, hier ein paar Hinweise zu den Masken (siehe Fotos im Anhang), die „Bad Nenndorf ist bunt e.V.“ gegen Spende von 5,- € abgibt:

Wir haben festgestellt, daß unsere Masken bei 60 bzw. 90- Grad-Wäsche in der Maschine stark färben und hinterher ausgeblichen sind. Bei 60-Grad Handwäsche mit z.B. Neutralseife färben sie kaum, anschließend können sie mit Wäsche-Hygienespüler gespült werden im letzten Spülgang. Der Geruch verfliegt beim Trocknen.  Wer also nicht immer gleich die Waschmaschine anwerfen möchte, lässt entsprechend heißes Wasser mit etwas Waschmittel ins Waschbecken oder in einen geeigneten Behälter. Um sich bei der Handwäsche nicht die Finger zu verbrühen, sollte man sich mit einem langen Gegenstand behelfen und die Maske damit im Wasser hin und her wenden. Ist der Mund-Nasen-Schutz ausreichend abgekühlt, wringt man die Stoffmaske noch einmal ordentlich per Hand durch , spült sie mit klarem Wasser (und evtl. Hygienespüler) und hängt sie zum Trocknen auf.


Stellungnahme zu den Protesten gegen den Naziaufmarsch in Eschede und der öffentliche Debatte danach

1. Berichterstattung und “Gewalt”

Nachdem wir vergangenen Samstag in Eschede gemeinsam mit Anwohner*innen gegen den Aufmarsch der NPD demonstriert haben, möchten wir die Gelegenheit ergreifen und uns zum Ablauf des Tages und vor allem zur Berichterstattung äußern.

Bei Demonstrationen gegen Nazis gibt es bei der Berichterstattung oft dieselben Muster nach denen gearbeitet wird. Die Arbeit der Polizei wird nur in seltenen Fällen kritisch beleuchtet und der eigentliche Anlass der Gegendemo (die Verhinderung eines Aufmarsches von gewaltbereiten Faschisten) rückt meist in den Hintergrund. Der Fokus liegt dann oft darauf, wie sich Gegendemonstrant*innen verhalten haben.
So ist es nun auch erwartungsgemäß in Eschede passiert.

Die Lokalzeitung „Cellesche Zeitung“ hatte für die Veranstaltung einen Live-Ticker geschaltet, der sich, wenn man an dem Tag vor Ort war, etwas kurios liest.
So wird ein Bild gezeichnet, dass den Eindruck erweckt, die Polizei hätte den Tag total souverän über die Bühne gebracht und zu jeder Zeit die volle Kontrolle über das Geschehen gehabt. Tatsächlich war über den gesamten Tag immer wieder zu beobachten, dass die Polizei extrem nervös und überfordert war. Was letztlich auch ein Grund dafür gewesen sein kann, dass sie in ihrer Kopflosigkeit bei den kleinsten Unruhen der Demonstrant*innen sofort Gewalt und Pfefferspray angewandt hat. Hierbei muss man sich vor Augen halten, dass die Bereitschaftspolizei am ganzen Körper gepanzert und behelmt ist und mehr oder weniger gut ausgebildet in körperlichen Auseinandersetzungen ist; fast alle Polizist*innen waren auch den ganzen Tag über mit Sturmhauben vermummt. Die Gegendemonstrant*innen waren zum Großteil Jugendliche und stellten zu keinem Zeitpunkt eine akute Gefahr für irgendwen dar.
Vor dem Hintergrund der offensichtlichen Überforderung der Beamt*innen war es umso verwunderlicher, dass der Aufmarsch der 9 (!) Neonazis soweit ausgereizt werden konnte. Bereits in den frühen Mittagsstunden war klar, dass der Gegenprotest von Erfolg gekrönt ist und die Nazis nicht weiter laufen können, da eine zentrale Kreuzung des Aufmarschs der Rechten von mehreren hundert Gegendemonstrant*innen blockiert war. Eine solche Blockade eines Naziaufmarsches gilt als ziviler Ungehorsam. Die Polizei setzte dennoch alle Hebel in Bewegung, um den Aufmarsch der NPD zu ermöglichen und das ganze Theater der Faschisten im bizarren Auftritt von Sebastian Weigler auf dem leeren Parkplatz der Volksbank gipfeln zu lassen.

Völliges Unverständnis lösen bei uns auch die angekündigten Anzeigen Polizei gegen antifaschistische Demonstrant*innen aus. Wer vor Ort war, wird wissen, wer hier tatsächlich gewalttätig war. Spannend wäre hierbei auch, warum es weder die Polizei noch die Presse für nötig hält zu erwähnen, dass Neonazi Sebastian Weigler Schusswaffengebrauch gegen Demonstrant*innen forderte, um die Blockade der Route zu räumen oder der mehrfach vorbestrafte Pierre Bauer zunächst ohne Einschränkung als Ordner auftreten durfte, bis Medienvertreter*innen darauf aufmerksam machten, dass Bauer ein verurteilter Gewaltverbrecher ist.

Die Polizei verkaufte den Tag im Nachgang als Erfolg für sich und stellte Gegendemonstrant*innen wörtlich als Angreifer dar. Zum wiederholten Mal hat sich Sebastian Weigler in Szene gesetzt und die Lokalpresse ist wie in der Vergangenheit brav über sein Stöckchen gesprungen. In einem Video von „Celle Heute“ das mit „Unzensiert – unkommentiert“ wirbt, sind nach einem kurzen Kommentar von Bürgermeister Günter Berg noch einige ausgewählte Szenen von Rangeleien zu sehen. Diese wollte „Celle Heute“ dann doch irgendwie kommentieren:

„Die überwiegend friedliche Gegendemonstration wurde vereinzelt durch Chaoten gestört. Dabei kam es zu Übergriffen und Beleidigungen gegenüber Polizist*Innen.“

Diese selektive Darstellung dürfte ganz im Sinne von Weigler sein, der stets bemüht ist, sich und die NPD als friedlich dazustellen.

2. Vermummung und Protestformen

Bei mehr oder weniger regelmäßigen Nazi-Veranstaltungen im ländlichen Bereich dauert es erfahrungsgemäß nicht lange, bis von den Anwohner*innen Sorgen zu hören sind. Allerdings keine Sorge vor dem Offensichtlichen – der Landergreifung durch Neonazis – sondern Sorge vor Unruhe im Dorf, vor „krawallmachenden Linken“, vor einem Imageschaden der Region. Als Ursache dafür werden meist Demonstrant*innen von Außerhalb herangezogen. Es wird unterstellt, dass man ja nur Anreisen würde um vor Ort Krawall und Terror zu verbreiten und dann wieder abzuhauen. Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass Protest friedlich ablaufen muss und dass man ja nicht nur gegen Rechtsextremisten sondern auch gegen Linksextremisten (sic) ist.

Dies verschleiert das eigentliche Problem für die Öffentlichkeit. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Kommentar des Bürgermeisters Günter Berg zum vergangenen Samstag in einem Video von „LokalHeute“. Günter Berg sagt zwar deutlich, dass er die NPD nicht im Ort haben will, lässt aber auch durchblicken, dass er eigentlich ganz zufrieden damit war, als noch nicht vor dem Hof demonstriert wurden durfte und man die Nazis bequem „wegignorieren“ konnte. Fast im selben Atemzug verurteilt er das antifaschistische Engagement eines Teils der Gegendemonstrant*innen. Er findet das Ganze „nicht schön“ und ist der Meinung, das ist etwas, das man „aushalten“ müsse.
Hierbei gibt es im Grunde zwei Probleme:

Die Nazis können sich selbst als „friedlich“ und bürgernah darstellen, da sie zwar als unerwünscht benannt werden, das Auftauchen von Gegendemonstrant*innen aber als das eigentliche Ärgernis beschrieben wird.

Es ist ein weit verbreiteter Trugschluss, dass Nazis nur ein Problem für den Ort sind an dem sie sich Treffen. Das Problem hat eine viel größere Dimension: Gerade Orte wie der Hof Nahtz in Eschede werden in erster Linie zur Vernetzung und Schulung von Faschist*innen genutzt. Und werden damit früher oder später oft zu einem viel größeren Problem an einem möglicherweise ganz anderen Ort. Damit sind solche Treffpunkte eine berechtigte Sorge für alle Menschen, die nicht in das Weltbild der Nazis passen und eben nicht nur für die Leute vor Ort.

Uns ist klar, dass die Anwohner*innen in Eschede andere Protestformen als wir wählen, dass sie andere Sorgen und Wünsche im Umgang mit dem Hof Nahtz haben und dass es für sie vielleicht verstörend wirkt, wenn Antifaschist*innen von außerhalb dort ihren eigenen Protest durchziehen. Wir sind aber gerade wegen der unterschiedlichen Ansätze solidarisch mit allen Eschedeer*innen, die sich den Nazis in den Weg stellen. Wir müssen nicht auf allen Ebenen derselben Meinung sein, um an einem Strang zu ziehen. Ziviler Ungehorsam – wie in diesem Fall durch das friedliche Besetzen eines Platzes auf der eigentlichen Naziaufmarsch-Route – ist ein wichtiges Mittel in der Demokratie, da dadurch verhindert werden kann, was durch eine einfache Demonstration nicht erreicht werden kann, nämlich das gleichzeitige Nutzen derselben Strecke (in diesem Fall) durch die Nazis. Es ist ein legitimes und notwendiges Mittel, um solche Aufmärsche zu verhindern. Um zu dieser Einsicht zu kommen, muss man sich nur die Entwicklung der Proteste in Bad Nenndorf anschauen. Es war dort ein langer Weg, bis sich etwas zum positiven gewandt hat, letztlich hat sich die Kooperation verschiedener Gruppen und Bündnisse jedoch ausgezahlt. Durch die gemeinsame Blockade der Naziroute durch die verschiedensten Gruppen konnte der Protest gegen die braunen Aufmärsche dort schließlich erfolgreich werden.

Da abzusehen ist, dass das Nazi-Problem in Eschede noch länger andauern wird, müssen wir gemeinsam einen langen Atem beweisen und uns auf unser gemeinsames Ziel konzentrieren.

Gesicht zeigen gegen Rechts?

Immer wieder taucht bei Demonstrationen in ländlichen Regionen die Frage bei Anwohner*innen auf, warum sich die Demonstrant*innen denn vermummen müssen, wenn man nicht kriminell sei, müsse man sich nicht verstecken und gegen Rechte kann man ruhig sein Gesicht zeigen. Hierbei gibt es leider ein Problem: Wie man vergangenen Samstag gut beobachten konnte, sind die Nazis sehr eifrig dabei, Gegendemonstrant*innen mit einem Teleobjektiv im Porträt abzulichten. Das tun Nazis in der Regel nicht weil sie uns so toll finden, sie sammeln Informationen, Bilder und Details über Aktivist*innen, um diese persönlich im privaten Bereich angreifen zu können. Dass das nicht an den Haare herbei gezogen ist, sondern ein Problem für jede*n werden kann, zeigte jüngst ein Anschlag auf eine Aktivistin in Einbeck bei Göttingen, bei dem am Wohnhaus der Betroffenen Sprengstoff gezündet wurde.

Das einige Demonstrant*innen also eher weniger Lust darauf haben ihr Gesicht in jede Kamera zu halten, sollte nachvollziehbar sein.

3. Die Notwendigkeit von solidarischem Protest

Ein weiterer Punkt der Antifaschist*innen oft vorgeworfen wird, ist die Annahme, dass man nur anreisen würde, um vor Ort Krawall zu machen, ein paar Steine zu schmeißen und johlend wieder nach Hause zu fahren. Ob man es glauben mag oder nicht: Die meisten Demonstrant*innen könnten sich ihre Freizeitgestaltung an einem sonnigen Samstag auch anders vorstellen.

Würden Landkreis und Behörden ihrer Arbeit nachkommen und nach Möglichkeiten suchen, um das Nazizentrum auf dem Hof Nahtz dicht zu machen, würde sich wohl kaum eine*r berufen fühlen nach Eschede zu fahren und sich dort mit Pfefferspray angreifen zu lassen. Es ist das Ohnmachtsgefühl und die Enttäuschung über das Politikversagen, die junge Menschen dazu animiert, sich gegen Neonazis einzusetzen.

Ein Ort wie Eschede muss sich eben auch am Erfolg des bisherigen Protestes messen lassen. Den Ort zu schmücken und Stände an der Kreuzung zum Hof aufzubauen ist nur eine von unzähligen Protestformen und war in den letzten 25 Jahren leider von wenig Erfolg gekrönt. Man muss sich auf vielfältige Art den Nazis in den Weg stellen, auf eine Art die für sie unbequem und auf Dauer zum Problem wird. Sich als Dorfgemeinschaft couragiert Nazis zu widersetzen bringt einem keinen schlechten Ruf ein – im Gegenteil! Es ist schließlich wenig Image-fördernd und wenig attraktiv, über ein Vierteljahrhundert einen Bundesweiten Nazistützpunkt im Ort zu haben. Das lässt sich nicht verschweigen und wird nicht besser, indem man mit dem Finger auf Gegendemonstrant*innen zeigt.

Welchen privaten Vorteil sollten die Antifaschist*innen haben, in einen kleinen Ort in der Südheide zu Reisen und dort Stundenlang in der prallen Sonne auszuharren, die Polizei im Nacken zu haben und sich im Nachgang noch als Gewalttäter darstellen zu lassen. Diese Leute haben das auf eigene Kosten und in ihrer sowieso schon raren Freizeit getan, ohne dafür irgendetwas zu erwarten – sie nicht öffentlich zu beschimpfen wäre aber das mindeste.

Mit freundlichen Grüßen,
Anita Förster – Pressesprecherin

Kampagne gegen das Nazizentrum in Eschede und rechte Umtriebe im Landkreis Celle.

www.eschedenazifrei.noblogs.org
facebook.com/landfriedensbruch.eschede


So will Bad Nenndorf ist bunt Gesicht zeigen gegen Rassismus und Fremdenhass

03.06.2020 von Guido Scholl , Schaumburger Nachrichten

Atemmasken sind in der Corona-Zeit ausgesprochen gefragt. Auch das Bündnis Bad Nenndorf ist bunt hat jetzt welche im Angebot. Auch, um ein Zeichen gegen Fremdenhass und Rassismus zu setzen.

Auf dem Wochenmarkt und in der Tourist-Information sind die „Bad Nenndorf ist bunt“-Masken erhältlich. Foto: PR.

Bad Nenndorf

„Gesicht zeigen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, das ist auch in Corona-Zeiten möglich“, findet das Bündnis Bad Nenndorf ist bunt. Auch angesichts der bestehenden Verpflichtung, mancherorts Mund-Nase-Schutz zu tragen, gelte diese Aussage. Denn der Verein hat eine „Bad-Nenndorf-ist-bunt-Maske“ kreiert und verkauft sie.

Das Bündnis bietet die Masken am heutigen Donnerstag auf dem Wochenmarkt in Bad Nenndorf an. Dafür bitten die Mitglieder jeweils um eine Spende in Höhe von fünf Euro zur Deckung der entstandenen Material- und Arbeitskosten. Wenn es gelinge, alle bestellten Masken zu verteilen, könne am Ende ein kleiner Überschuss als Spende weitergegeben werden.

Gegner von Corona-Beschränkungen im Visier

„Angesichts der Tatsache, dass zurzeit Rechtsextreme, Nazis und Anhänger von Verschwörungstheorien Demonstrationen gegen die angeordneten Corona-Beschränkungen veranstalten“, sei es notwendig, auf diese Weise Gesicht zu zeigen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, heißt es in einer Pressenotiz.

Nach dem heutigen Donnerstag ist noch eine weitere Verkaufsaktion am Donnerstag, 11. Juni, auf dem Markt geplant. Auch in der Tourist-Information sind die Masken erhältlich. Am Sonnabend, 13. Juni, plant das Bündnis, am Rande des Spendenlaufs der Skigemeinschaft Nordschaumburg mit einem Stand auf der Promenade präsent zu sein.

Masken auch telefonisch zu bestellen

Wer es nicht einrichten kann, zum Wochenmarkt zu kommen, die Aktion „Gesicht zeigen durch Maske tragen“ aber trotzdem unterstützen will, kann auch telefonisch unter (01 57) 51 71 88 27 oder per E-Mail an vorsitz@bad-nenndorf-ist-bunt.de eine Maske bestellen.


Liebe Freunde, Mitstreiter, Unterstützer und langjährige Wegbegleiter!

Das 15. Internationale Kulturfest „Bad Nenndorf ist bunt“ wird in diesem Jahr leider nicht stattfinden. Das Verbot von Großveranstaltungen ab 1000 Menschen bis zum 31.8.2020 zwingt uns dazu, das diesjährige Kulturfest abzusagen. Auch wenn wir unter 1000 Teilnehmern bleiben würden (zusammen mit den Teilnehmern und Besuchern des Kurparklaufes, der ja parallel stattfinden sollte, kommen wir im Laufe des Tages schon über die 1000) – wie sollen wir die Auflagen bzgl. Mindestabstand etc. einhalten? Tanzen mit Mundschutz und Abstand?  Essen – und Getränkestände mit 1,5 Meter- Markierungen?  Ordner und Polizisten, die das alles kontrollieren und möglicherweise Strafen oder Platzverweise aussprechen? Mal ehrlich: in 7 Wochen wird die Covid-19-Pandemie nicht beendet sein, und wer käme dann überhaupt zu diesem Fest? Wollen und können wir die Verantwortung übernehmen, wenn auf dem Kulturfest Menschen infiziert werden? Diese Gedanken haben uns zu unserem Entschluss geführt.

Es fällt uns nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen, zumal wir wissen, daß etliche Menschen auch mit diesem Fest (und anderen Festen) Einnahmen generieren, die jetzt komplett wegbrechen (Standbetreiber, Tontechnik, Bands…) und sie  in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen oder schon drin sind.

Dennoch bitten wir Euch um Verständnis für unsere Entscheidung und Solidarität mit denen, für die Covid-19 bedrohlich und existenzgefährdend ist, gesundheitlich wie wirtschaftlich.

Das 15. Internationale Kulturfest „Bad Nenndorf ist bunt“ wird voraussichtlich am 12.6.2021 stattfinden – zusammen mit Euch!

Bleibt gesund, solidarisch und munter! Bleibt entschlossen im Kampf gegen Faschisten und Rechtspopulisten! 

Bleibt uns gewogen und begleitet uns auch auf Facebook

Herzliche Grüße
Jürgen Uebel
i.A. des Vorstands von „Bad Nenndorf ist bunt- Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.“



Kein Platz für Neonazi-Propaganda auf Spotify!

Kein Platz für Neonazi-Propaganda auf Spotify!

Wir fordern Spotify auf, die im März gestartete Podcast-Reihe des rechten Netzwerks EinProzent zu entfernen und den Neonazis der Neuen Rechten keine Plattform zu bieten. EinProzent will mit der Podcast-Reihe die Corona-Krise nutzen, um rechte und rassistische Propaganda zu verbreiten – dafür darf es bei Spotify keinen Platz geben!

Warum ist das wichtig?

Die Corona-Krise verunsichert viele Menschen. Rechte Gruppen versuchen, diese Verunsicherung zu nutzen, um ihre Propaganda zu verbreiten. Das Netzwerk der Neuen Rechten EinProzent hat im März mit einer Podcast-Reihe zum Thema Corona begonnen, mittlerweile sind bereits neun Folgen bei Spotify und Apple Podcast erschienen. EinProzent ist ein wichtiger Akteur der sogenannten Neuen Rechten, die vor allem eins zum Ziel hat: Rassistische, antisemitische und nationalistische Inhalte wieder salonfähig machen. Statt mit Springerstiefeln und Glatze tritt die Neue Rechte gern unauffällig auf, um so anschlussfähig wie möglich zu sein – einen Podcast auf großen Plattformen zu lancieren, passt perfekt zu dieser Strategie. Das wollen wir nicht hinnehmen.

Denn was dahinter steht, ist alles andere als harmlos: Den Führungsfiguren von EinProzent, darunter prominente Rechte wie Götz Kubitschek vom Institut für Staatspolitik, Jürgen Elsässer vom Compact-Magazin oder der Verleger Philip Stein, geht es um eine komplett andere Gesellschaft, in der für Minderheiten und Andersdenkende kein Platz mehr ist.

Initiator und Moderator des Podcasts ist Arndt Novak, ein Aktivist der völkischen Gruppe Identitäre Bewegung (IB). Zu seinen Interviewpartnern gehörten bisher unter anderem der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, der ehemalige österreichische Innenminister und FPÖ-Scharfmacher Herbert Kickl, sowie Oliver Hilburger, der Kontakte zu Unterstützern des NSU pflegt.

Diesen Podcast bei Spotify zu veröffentlichen, ist Teil ihrer Medienstrategie: Seit Jahren betreiben „EinProzent“, die AfD und andere intensiv den Aufbau eines eigenen Mediennetzwerks. Der Kampf der Neuen Rechten gegen die „Systemmedien“ wird durch den Aufbau „alternativer“ Medien gestützt, hier können sie ihre Propaganda verbreiten und neue Zielgruppen erreichen.

Wir fordern: Spotify darf kein Teil dieser rechten Medienstrategie werden! Kein Platz für Nazis auf diesen Plattformen! In den letzten Tagen haben sich schon viele Hörerinnen und Hörer bei Spotify beschwert – doch bislang werden sie nur ignoriert oder vertröstet, die Podcasts sind weiterhin im Netz. Dabei zeigen andere Beispiele, dass konsequentes Vorgehen gegen EinProzent durchaus möglich ist: Bei Facebook und Instagram wurden die Accounts des Netzwerks gesperrt, diese Sperrung hatte auch vor Gericht Bestand.
In einem Interview im Berliner Tagesspiegel vom 9.01.2020 hat der Spotify-Sprecher für Deutschland gesagt, dass neonazistische Inhalte innerhalb von 24 Stunden von Spotify gelöscht werden. Dem müssen jetzt Taten folgen!

Wir fordern Michael Krause, Managing Editor von Spotify Europe und Marcel Grobe, Sprecher für Spotify Deutschland auf, die Podcast-Reihe von EinProzent zu entfernen und Neonazis und der Neuen Rechten keine Plattform zu bieten.
Wenn wir das schaffen, können wir der Medienstrategie der Neuen Rechten erheblich schaden. Ein wichtiger Schritt für den Kampf gegen Rechts und für ein solidarisches Miteinander, das in diesen Zeiten gerade ganz besonders wichtig ist.

Hier klicken und Petition unterschreiben



Digitaler Rechtsextremismus

Von Armn Pfahl-Traughber 30.03.2020 –

Das Internet bietet für die extreme Rechte vielfältige Möglichkeiten zur Ideologisierung, Propagierung und Radikalisierung.

Rechtsextremes Gedankengut nur einen Mausklick entfernt; (Screenshot, Verlagsseite)

Wenn früher ein rechtextrem Eingestellter mit rechtsextremistischen Organisationen in Verbindung treten wollte, setzte dies doch einen gewissen Aufwand an Betätigung und Zeit voraus. Man musste Veranstaltungen besuchen, man musste Zeitungen kaufen. Durch das Internet ist all dies nur einen Mausklick entfernt, das heißt es besteht eine direkte Kontaktmöglichkeit zu einschlägigen Organisationen. Diese Dimension steht für ganz andere Formen von Ideologisierung, Propagierung und Radikalisierung. Ein allgemeines Bewusstsein darüber scheint aber erst durch Einzeltäter im Rechtsterrorismus aufzukommen, haben diese sich doch nicht selten über das Internet in die Richtung ihrer Taten entwickelt. Welche Bedeutung darüber hinaus das Internet für den Rechtsextremismus insgesamt hat, thematisiert die freie Journalistin Karolin Schwarz in ihrem Buch „Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus“. Es trägt somit einen etwas schiefen oder unzutreffenden Titel, geht es darin doch eben um den digitalen und nicht um den kompletten Rechtsextremismus.

„Lose Bündnisse über nationale Grenzen hinweg“

Die angesprochene Dimension wird bereits im Vorwort hervorgehoben: „Rechte undRechtsradikale treffen sich schon längst nicht mehr nur bei konspirativen Treffen, Konzertenoder Demonstrationen. Sie treten im Internet ganz offen auf und schließen lose Bündnisseüber nationale Grenzen hinweg“ (S. 8). Was das konkret bedeutet, wird danach ausführlich beschrieben. Das Buch versteht sich indessen nur als „Momentaufnahme“, will es doch nur einen gerade aktuellen „Einblick in ein globales, rechtsradikales Ökosystem“ (S. 11) geben, womit ein etwas schiefer Begriff benutzt wird. Zunächst geht die Autorin auf die Geschichte der Nutzung des Internet durch Rechtsextremisten ein und erinnert dabei etwa an Mailbox oder Usenet. Danach behandelt sie kurz die Akteure, also Gruppierungen und Parteien, aber auch eigene Influencer. Ein erstes ausführlicheres Kapitel spricht danach die Strategie und Vorgehensweise an, wobei Desinformation, Emotionalisierung, Feindbilder, Opferstatus und Umdeutungen im Zentrum stehen.

Expertise über technische Zusammenhänge

Welche technischen Mittel dabei genutzt werden, bildet dann den nächsten thematischen Schwerpunkt. Hier geht es um Alt-Tech, Darc Social, Online-Games und Social Media-Plattformen. Der Finanzierung wurde dabei ein besonderes Unterkapitel gewidmet, dies kann auch viele Anregungen für Gegenstrategien liefern. Und dann findet man noch ein ausführlicheres Kapitel zum Terrorismus, was insbesondere auf das Einzeltäter- beziehungsweise „Lone Actor“-Phänomen zugeschnitten ist. Die Autorin referiert hier mit Erkenntnissen aus der englischsprachigen Forschung, etwa zu „Normalisierung“, „Akklimatisierung“ und „Dehumanisierung“ als kognitive Phasen eines solchen Prozesses (vgl. S. 172). Auch der „Akzelerationismus“ (vgl. S. 174f.), ein ursprünglich linker Ansatz zur Gesellschaftsveränderung, wird in diesem Kontext thematisiert. Und schließlich fragt die Autorin noch nach Gegenstrategien, wobei sie Internetkonzerte, Justiz, Medien, Politik und Zivilgesellschaft jeweils gesondert anspricht.

Bei einem Buch zu Extremismus und Internet ist immer auch bedeutsam, wer dies aus welchem thematischem Blickwinkel schreibt. Ist es ein Extremismusforscher oder ein Internetspezialist? Die Expertise von Schwarz kommt aus dem letztgenannten Zusammenhang. Dies merkt man bereits an der etwas unklaren und wechselnden Begriffsnutzung, geht es doch mit „rechts“, „rechtsextremistisch“ und „rechtsradikal“ oder „Terror“ und „Terrorismus“ etwas durcheinander. Ein Extremismusforscher hätte demgegenüber wohl Probleme mit den technischen Zusammenhängen. Berücksichtigt man diesen Gesichtspunkt, kann das Buch mit Gewinn gelesen werden. Es beschreibt anhand von Details das jeweils Gemeinte anschaulich und sachkundig. Auch und gerade das Kapitel zur Radikalisierung von Terroristen ist dabei bedeutsam. Hier und da hätte man sich eine allgemeine Einschätzung zur Relevanz, die über wenige Sätze hinausgeht, gewünscht. Gleichwohl liegt ein informatives Buch zu einem überaus relevanten Thema vor. Karolin Schwarz, Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus, Freiburg 2020 (Herder-Verlag), 224 Seiten, 22,– Euro.



Bad Nenndorf: Wochenmarkt am 07.05.2020



Demo in Eschede am 21.12.2019


Bad Nenndorf ist Bunt am 23.11.2019 in Hannover


Bad Nenndorf ist Bunt am 30.11.2019 in Braunschweig


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