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So will Bad Nenndorf ist bunt Gesicht zeigen gegen Rassismus und Fremdenhass

03.06.2020 von Guido Scholl , Schaumburger Nachrichten

Atemmasken sind in der Corona-Zeit ausgesprochen gefragt. Auch das Bündnis Bad Nenndorf ist bunt hat jetzt welche im Angebot. Auch, um ein Zeichen gegen Fremdenhass und Rassismus zu setzen.

Auf dem Wochenmarkt und in der Tourist-Information sind die „Bad Nenndorf ist bunt“-Masken erhältlich. Foto: PR.

Bad Nenndorf

„Gesicht zeigen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, das ist auch in Corona-Zeiten möglich“, findet das Bündnis Bad Nenndorf ist bunt. Auch angesichts der bestehenden Verpflichtung, mancherorts Mund-Nase-Schutz zu tragen, gelte diese Aussage. Denn der Verein hat eine „Bad-Nenndorf-ist-bunt-Maske“ kreiert und verkauft sie.

Das Bündnis bietet die Masken am heutigen Donnerstag auf dem Wochenmarkt in Bad Nenndorf an. Dafür bitten die Mitglieder jeweils um eine Spende in Höhe von fünf Euro zur Deckung der entstandenen Material- und Arbeitskosten. Wenn es gelinge, alle bestellten Masken zu verteilen, könne am Ende ein kleiner Überschuss als Spende weitergegeben werden.

Gegner von Corona-Beschränkungen im Visier

„Angesichts der Tatsache, dass zurzeit Rechtsextreme, Nazis und Anhänger von Verschwörungstheorien Demonstrationen gegen die angeordneten Corona-Beschränkungen veranstalten“, sei es notwendig, auf diese Weise Gesicht zu zeigen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, heißt es in einer Pressenotiz.

Nach dem heutigen Donnerstag ist noch eine weitere Verkaufsaktion am Donnerstag, 11. Juni, auf dem Markt geplant. Auch in der Tourist-Information sind die Masken erhältlich. Am Sonnabend, 13. Juni, plant das Bündnis, am Rande des Spendenlaufs der Skigemeinschaft Nordschaumburg mit einem Stand auf der Promenade präsent zu sein.

Masken auch telefonisch zu bestellen

Wer es nicht einrichten kann, zum Wochenmarkt zu kommen, die Aktion „Gesicht zeigen durch Maske tragen“ aber trotzdem unterstützen will, kann auch telefonisch unter (01 57) 51 71 88 27 oder per E-Mail an vorsitz@bad-nenndorf-ist-bunt.de eine Maske bestellen.


Liebe Freunde, Mitstreiter, Unterstützer und langjährige Wegbegleiter!

Das 15. Internationale Kulturfest „Bad Nenndorf ist bunt“ wird in diesem Jahr leider nicht stattfinden. Das Verbot von Großveranstaltungen ab 1000 Menschen bis zum 31.8.2020 zwingt uns dazu, das diesjährige Kulturfest abzusagen. Auch wenn wir unter 1000 Teilnehmern bleiben würden (zusammen mit den Teilnehmern und Besuchern des Kurparklaufes, der ja parallel stattfinden sollte, kommen wir im Laufe des Tages schon über die 1000) – wie sollen wir die Auflagen bzgl. Mindestabstand etc. einhalten? Tanzen mit Mundschutz und Abstand?  Essen – und Getränkestände mit 1,5 Meter- Markierungen?  Ordner und Polizisten, die das alles kontrollieren und möglicherweise Strafen oder Platzverweise aussprechen? Mal ehrlich: in 7 Wochen wird die Covid-19-Pandemie nicht beendet sein, und wer käme dann überhaupt zu diesem Fest? Wollen und können wir die Verantwortung übernehmen, wenn auf dem Kulturfest Menschen infiziert werden? Diese Gedanken haben uns zu unserem Entschluss geführt.

Es fällt uns nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen, zumal wir wissen, daß etliche Menschen auch mit diesem Fest (und anderen Festen) Einnahmen generieren, die jetzt komplett wegbrechen (Standbetreiber, Tontechnik, Bands…) und sie  in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen oder schon drin sind.

Dennoch bitten wir Euch um Verständnis für unsere Entscheidung und Solidarität mit denen, für die Covid-19 bedrohlich und existenzgefährdend ist, gesundheitlich wie wirtschaftlich.

Das 15. Internationale Kulturfest „Bad Nenndorf ist bunt“ wird voraussichtlich am 12.6.2021 stattfinden – zusammen mit Euch!

Bleibt gesund, solidarisch und munter! Bleibt entschlossen im Kampf gegen Faschisten und Rechtspopulisten! 

Bleibt uns gewogen und begleitet uns auch auf Facebook

Herzliche Grüße
Jürgen Uebel
i.A. des Vorstands von „Bad Nenndorf ist bunt- Bündnis gegen Rechtsextremismus e.V.“



Kein Platz für Neonazi-Propaganda auf Spotify!

Kein Platz für Neonazi-Propaganda auf Spotify!

Wir fordern Spotify auf, die im März gestartete Podcast-Reihe des rechten Netzwerks EinProzent zu entfernen und den Neonazis der Neuen Rechten keine Plattform zu bieten. EinProzent will mit der Podcast-Reihe die Corona-Krise nutzen, um rechte und rassistische Propaganda zu verbreiten – dafür darf es bei Spotify keinen Platz geben!

Warum ist das wichtig?

Die Corona-Krise verunsichert viele Menschen. Rechte Gruppen versuchen, diese Verunsicherung zu nutzen, um ihre Propaganda zu verbreiten. Das Netzwerk der Neuen Rechten EinProzent hat im März mit einer Podcast-Reihe zum Thema Corona begonnen, mittlerweile sind bereits neun Folgen bei Spotify und Apple Podcast erschienen. EinProzent ist ein wichtiger Akteur der sogenannten Neuen Rechten, die vor allem eins zum Ziel hat: Rassistische, antisemitische und nationalistische Inhalte wieder salonfähig machen. Statt mit Springerstiefeln und Glatze tritt die Neue Rechte gern unauffällig auf, um so anschlussfähig wie möglich zu sein – einen Podcast auf großen Plattformen zu lancieren, passt perfekt zu dieser Strategie. Das wollen wir nicht hinnehmen.

Denn was dahinter steht, ist alles andere als harmlos: Den Führungsfiguren von EinProzent, darunter prominente Rechte wie Götz Kubitschek vom Institut für Staatspolitik, Jürgen Elsässer vom Compact-Magazin oder der Verleger Philip Stein, geht es um eine komplett andere Gesellschaft, in der für Minderheiten und Andersdenkende kein Platz mehr ist.

Initiator und Moderator des Podcasts ist Arndt Novak, ein Aktivist der völkischen Gruppe Identitäre Bewegung (IB). Zu seinen Interviewpartnern gehörten bisher unter anderem der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, der ehemalige österreichische Innenminister und FPÖ-Scharfmacher Herbert Kickl, sowie Oliver Hilburger, der Kontakte zu Unterstützern des NSU pflegt.

Diesen Podcast bei Spotify zu veröffentlichen, ist Teil ihrer Medienstrategie: Seit Jahren betreiben „EinProzent“, die AfD und andere intensiv den Aufbau eines eigenen Mediennetzwerks. Der Kampf der Neuen Rechten gegen die „Systemmedien“ wird durch den Aufbau „alternativer“ Medien gestützt, hier können sie ihre Propaganda verbreiten und neue Zielgruppen erreichen.

Wir fordern: Spotify darf kein Teil dieser rechten Medienstrategie werden! Kein Platz für Nazis auf diesen Plattformen! In den letzten Tagen haben sich schon viele Hörerinnen und Hörer bei Spotify beschwert – doch bislang werden sie nur ignoriert oder vertröstet, die Podcasts sind weiterhin im Netz. Dabei zeigen andere Beispiele, dass konsequentes Vorgehen gegen EinProzent durchaus möglich ist: Bei Facebook und Instagram wurden die Accounts des Netzwerks gesperrt, diese Sperrung hatte auch vor Gericht Bestand.
In einem Interview im Berliner Tagesspiegel vom 9.01.2020 hat der Spotify-Sprecher für Deutschland gesagt, dass neonazistische Inhalte innerhalb von 24 Stunden von Spotify gelöscht werden. Dem müssen jetzt Taten folgen!

Wir fordern Michael Krause, Managing Editor von Spotify Europe und Marcel Grobe, Sprecher für Spotify Deutschland auf, die Podcast-Reihe von EinProzent zu entfernen und Neonazis und der Neuen Rechten keine Plattform zu bieten.
Wenn wir das schaffen, können wir der Medienstrategie der Neuen Rechten erheblich schaden. Ein wichtiger Schritt für den Kampf gegen Rechts und für ein solidarisches Miteinander, das in diesen Zeiten gerade ganz besonders wichtig ist.

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Digitaler Rechtsextremismus

Von Armn Pfahl-Traughber 30.03.2020 –

Das Internet bietet für die extreme Rechte vielfältige Möglichkeiten zur Ideologisierung, Propagierung und Radikalisierung.

Rechtsextremes Gedankengut nur einen Mausklick entfernt; (Screenshot, Verlagsseite)

Wenn früher ein rechtextrem Eingestellter mit rechtsextremistischen Organisationen in Verbindung treten wollte, setzte dies doch einen gewissen Aufwand an Betätigung und Zeit voraus. Man musste Veranstaltungen besuchen, man musste Zeitungen kaufen. Durch das Internet ist all dies nur einen Mausklick entfernt, das heißt es besteht eine direkte Kontaktmöglichkeit zu einschlägigen Organisationen. Diese Dimension steht für ganz andere Formen von Ideologisierung, Propagierung und Radikalisierung. Ein allgemeines Bewusstsein darüber scheint aber erst durch Einzeltäter im Rechtsterrorismus aufzukommen, haben diese sich doch nicht selten über das Internet in die Richtung ihrer Taten entwickelt. Welche Bedeutung darüber hinaus das Internet für den Rechtsextremismus insgesamt hat, thematisiert die freie Journalistin Karolin Schwarz in ihrem Buch „Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus“. Es trägt somit einen etwas schiefen oder unzutreffenden Titel, geht es darin doch eben um den digitalen und nicht um den kompletten Rechtsextremismus.

„Lose Bündnisse über nationale Grenzen hinweg“

Die angesprochene Dimension wird bereits im Vorwort hervorgehoben: „Rechte undRechtsradikale treffen sich schon längst nicht mehr nur bei konspirativen Treffen, Konzertenoder Demonstrationen. Sie treten im Internet ganz offen auf und schließen lose Bündnisseüber nationale Grenzen hinweg“ (S. 8). Was das konkret bedeutet, wird danach ausführlich beschrieben. Das Buch versteht sich indessen nur als „Momentaufnahme“, will es doch nur einen gerade aktuellen „Einblick in ein globales, rechtsradikales Ökosystem“ (S. 11) geben, womit ein etwas schiefer Begriff benutzt wird. Zunächst geht die Autorin auf die Geschichte der Nutzung des Internet durch Rechtsextremisten ein und erinnert dabei etwa an Mailbox oder Usenet. Danach behandelt sie kurz die Akteure, also Gruppierungen und Parteien, aber auch eigene Influencer. Ein erstes ausführlicheres Kapitel spricht danach die Strategie und Vorgehensweise an, wobei Desinformation, Emotionalisierung, Feindbilder, Opferstatus und Umdeutungen im Zentrum stehen.

Expertise über technische Zusammenhänge

Welche technischen Mittel dabei genutzt werden, bildet dann den nächsten thematischen Schwerpunkt. Hier geht es um Alt-Tech, Darc Social, Online-Games und Social Media-Plattformen. Der Finanzierung wurde dabei ein besonderes Unterkapitel gewidmet, dies kann auch viele Anregungen für Gegenstrategien liefern. Und dann findet man noch ein ausführlicheres Kapitel zum Terrorismus, was insbesondere auf das Einzeltäter- beziehungsweise „Lone Actor“-Phänomen zugeschnitten ist. Die Autorin referiert hier mit Erkenntnissen aus der englischsprachigen Forschung, etwa zu „Normalisierung“, „Akklimatisierung“ und „Dehumanisierung“ als kognitive Phasen eines solchen Prozesses (vgl. S. 172). Auch der „Akzelerationismus“ (vgl. S. 174f.), ein ursprünglich linker Ansatz zur Gesellschaftsveränderung, wird in diesem Kontext thematisiert. Und schließlich fragt die Autorin noch nach Gegenstrategien, wobei sie Internetkonzerte, Justiz, Medien, Politik und Zivilgesellschaft jeweils gesondert anspricht.

Bei einem Buch zu Extremismus und Internet ist immer auch bedeutsam, wer dies aus welchem thematischem Blickwinkel schreibt. Ist es ein Extremismusforscher oder ein Internetspezialist? Die Expertise von Schwarz kommt aus dem letztgenannten Zusammenhang. Dies merkt man bereits an der etwas unklaren und wechselnden Begriffsnutzung, geht es doch mit „rechts“, „rechtsextremistisch“ und „rechtsradikal“ oder „Terror“ und „Terrorismus“ etwas durcheinander. Ein Extremismusforscher hätte demgegenüber wohl Probleme mit den technischen Zusammenhängen. Berücksichtigt man diesen Gesichtspunkt, kann das Buch mit Gewinn gelesen werden. Es beschreibt anhand von Details das jeweils Gemeinte anschaulich und sachkundig. Auch und gerade das Kapitel zur Radikalisierung von Terroristen ist dabei bedeutsam. Hier und da hätte man sich eine allgemeine Einschätzung zur Relevanz, die über wenige Sätze hinausgeht, gewünscht. Gleichwohl liegt ein informatives Buch zu einem überaus relevanten Thema vor. Karolin Schwarz, Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus, Freiburg 2020 (Herder-Verlag), 224 Seiten, 22,– Euro.



Bad Nenndorf: Wochenmarkt am 07.05.2020



Demo in Eschede am 21.12.2019


Bad Nenndorf ist Bunt am 23.11.2019 in Hannover


Bad Nenndorf ist Bunt am 30.11.2019 in Braunschweig


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