Anti-Rechts-Bündnis startet offensiv ins neue Jahr


Wanderausstellung „Der Gelbe Stern“ ab 27. Januar in der Sparkasse / Trauermarsch: Landrat soll Offenen Brief erhalten

BAD NENNDORF (jl). Bereits zwei Veranstaltungen im Januar und ein offensives Vorgehen in der Causa Daueranmeldung für den Nazi-Aufmarsch: Das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ (BNib) startet offensiv ins neue Jahr. „Der Landkreis muss endlich seine Zauderhaltung aufgeben“, fand der Vorsitzende Jürgen Uebel deutliche Worte beim ersten Plenum der Gruppe in 2018. „Der Trauermarsch in Bad Nenndorf ist verbrannt.“ In den vergangenen beiden Jahren waren am ersten Augustwochenende keine rechten Demonstranten in die Kurstadt gekommen – 2017 hatten sie sich nicht einmal mehr gemeldet.

Damit ist aus Sicht des Bündnisses die 2009 aufgegebene Daueranmeldung bis 2030 für den sogenannten Trauermarsch gegenstandslos. Die Behörde selbst habe zwei Jahre lang Zeit gehabt, die Lage rechtlich zu prüfen. Die Mitglieder einigten sich darauf, die Kreisverwaltung, genauer: Landrat Jörg Farr persönlich, in einem Offenen Brief aufzufordern, die Daueranmeldung der Neonazis für nichtig zu erklären. Es sei eine „unerträgliche Situation“, sagte Inge Schönfelder, wenn im Juli immer noch nicht feststehe, ob diese kommen. Eine Kundgebung ist nicht geplant, zumindest nicht seitens des Bündnisses. „Von uns hat keiner gesagt, das jedes Jahr zu machen“, korrigierte Uebel einen Rückblick in der Tagespresse. Das einst geplante „Fest der Demokratie“ nannte er „grandios gescheitert“. Es wurde sogar die nicht ganz ernst gemeinte Überlegung laut, dass sich die Initiative mit Plakaten in eine Sommerpause verabschiedet. Letztlich wolle man vom August wegkommen, so Uebel. Stattdessen erwägt BNib anlässlich des Internationalen Tags der Demokratie am 15. September eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Das Kulturfest am 9. Juni soll wie gewohnt über die Bühne gehen. Zunächst stehen aber zwei andere Events in den Startlöchern: Am 24. oder 25. Januar – der Termin steht noch nicht final – wird die Zeitzeugin Ruth Gröne vom Holocaust in Hannover berichten. Mit visueller Unterstützung erzähle die heute 85-Jährige ihre Kindheit als „Halbjüdin“ und ihre Odyssee durch verschiedene Judenhäuser, kündigte Dietmar Buchholz an. Alles unter dem Titel „Als die Synagogen brannten“. Zudem ist es dem Anti-Rechts-Bündnis gelungen, zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Sonnabend, 27. Januar, die Wanderausstellung „Der Gelbe Stern“ in die Bad Nenndorfer Sparkassen-Filiale zu holen. Hinter den Fotos und Texten, die das Leben sowie Leiden der deutschen Juden von 1900 bis 1945 beschreiben, steht die Friedensbibliothek der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Die Vernissage mit Musik und einem Rabbi ist um 15 Uhr. Mindestens drei Wochen soll die Ausstellung zu sehen sein, der genaue Endtermin wird noch bekannt gegeben. BNib will Flyer elektronisch und ausgedruckt verteilen sowie Schulen in der Umgebung gezielt anschreiben. Foto: jl

Bericht aus dem Schaumburger Wochenblatt vom 13.01.2018

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